Herta, die Schöpfungshöhe und ich.

Samstagvormittag im Buchladen. Gleich neben dem Eingang ein ganzer Stapel „Atemschaukel”. Darauf ein dicker, fetter Aufkleber: „Nobelpreis für Literatur 2009”.

Natürlich greife ich danach. Lese den Text auf der Umschlagseite:

„Ich setzte mich an den Tisch und wartete auf Mitternacht. Und Mitternacht kam, aber die Patrouille hatte Verspätung. Drei Stunden mussten vergehen, das hielt man fast nicht aus. Dann waren sie da. Die Mutter hielt mir den Mantel mit dem schwarzen Samtbündchen. Ich schlüpfte hinein. Sie weinte. ich zog die grünen Handschuhe an. Auf dem Holzgang, genau dort, wo die Gasuhr ist, sagte die Großmutter: ICH WEISS DU KOMMST WIEDER.”

Eine so starke, prägnante Sprache. Klar und einfach. So klar und einfach, dass ihr deutsche Richter vermutlich die Schöpfungshöhe absprechen würden.

Beim nächsten Mal mache ich die Probe aufs Exempel. ;-)

Susanne Ackstaller am Montag, 19. Oktober 2009 um 12:30 Uhr

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Tags: schöpfungshöhenobelpreisherta müller

Kommentare

  1. Oj, das nervt (mich) ja schon beim Reinschnuppern ... wenn mich schon der Klappentext gereizt macht, kann ich mir den Rest ja getrost sparen. Sag ich mal ganz prägnant :-)

    Melody am Montag, 19. Oktober 2009 um 13:04 Uhr
  2. Na, das ist doch ne praktische Lösung und entbindet dich sofort von der Nobelpreislesepflicht. ;-))

    Susanne Ackstaller am Montag, 19. Oktober 2009 um 13:05 Uhr
  3. Pflicht?? Ups.

    Vielleicht schaue ich es mir in ein paar Jahren mal an. Momentan lese ich Her Fearful Symmetry, das neue von Audrey Niffenegger :-)) und du?

    Melody am Montag, 19. Oktober 2009 um 13:14 Uhr
  4. Ich lese „Die Bastardin” von Textine Juliane Korelski.

    Das liest sich üppiger. ;-)

    Susanne Ackstaller am Montag, 19. Oktober 2009 um 13:43 Uhr
  5. Ich bin weder gereizt noch begeistert, eher neugierig. Gehöre zu denjenigen, die vor der Nobelpreisverkündung noch nie von Herta Müller gehört haben. Atemschaukel liegt auf dem Stapel und wartet darauf, an die Reihe zu kommen. Momentan lese ich den neuen Mankell, der allerdings schwermütiger kaum sein könnte ...

    Heike am Montag, 19. Oktober 2009 um 19:28 Uhr
  6. Ich habe auch noch keine Meinung. Mir fielen nur die schlichten Sätze auf. Und ich musste eben daran denken, wie man meine Texte in ebenfalls einfache Sätze zerlegt hat, um ihnen dann jegliche Schöpfungshöhe abzusprechen.

    Nur hinkt der Vergleich, schon klar - bevor jemand auf die Idee kommt, ich würde mich hier mit meinen Werbetexten auf Frau Müllers Höhen sehen. ;-))))

    Susanne Ackstaller am Montag, 19. Oktober 2009 um 22:52 Uhr
  7. Her Fearful Symmetry - wie ist das denn, wie liest es sich?

    Andrea am Mittwoch, 21. Oktober 2009 um 11:23 Uhr
  8. Andrea: Bis jetzt gut. Es reisst nicht so schnell so tief mit wie The Time Travellers Wife und ich finde es vielleicht daher auch nicht ganz so gut - 80 Seiten erst, also noch keine wirklich festsitzende Meinung :-)

    Melody am Mittwoch, 21. Oktober 2009 um 11:29 Uhr
  9. Jetzt bin ich fertig mit dem Buch von Audrey Niffenegger und nahezu wütend darüber, dass die schönen Ideen und die kraftvolle Sprache an eine Handlung aufgehängt wurden, die einfach nur dünn/unlogisch/ärgerlich ist. Ohne zu viel zu verraten: Wofür eine der Hauptdarstellerinnen sich entscheidet, das ist so unwahrscheinlich und sogar unnötig, dass man danach kaum weiterlesen mag, diese eine umgesetzte Idee aber macht im Grunde das ganze Buch aus. Grrr.

    Melody am Samstag, 24. Oktober 2009 um 15:36 Uhr
  10. Geht mir ähnlich mit Mankell (soeben beendet). Spannung minimal, die Lösung alles andere als überraschend, die ungeklärten Fragen fast unzählbar, die Aussicht auf „definitiv keine weiteren Wallander-Bände” geradezu eine Erleichterung ... Was da aufgetischt wurde, ist eine Sammlung reinsten Trübsinns , von beginnendem Alzheimer über die sterbene Exgeliebte und die alkoholkranke Exfrau bis hin zum immer wiederkehrenden Thema: Angst vor dem Alter. Nicht gerade das, was ich erwarte, wenn ich zu einem Krimi greife ...

    Heike am Samstag, 24. Oktober 2009 um 16:17 Uhr

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