Virtuelles PR-Geplauder

Dr. Kerstin Hoffmann kenne ich schon ... fast eine virtuelle Ewigkeit. Genauer: Seit Anfang dieses Jahrtausends, als wir beide Mitglieder bei den Webgrrls waren. Zwischendrin haben wir uns dann einige Zeit aus den Augen verloren, bis ich dann mehr zufällig auf ihr Storyboard stieß, in dem sie - täglich frisch - aus ihrem Leben als PR-Beraterin plaudert. Anders als viele andere “Business-Blogs” gefällt mir ihr Storyboard so gut, dass ich ihr ein paar Fragen zum Warum, Wieso und Überhaupt gestellt habe: Bild im Blog

SA: Kerstin, warum bloggst du und seit wann?

KH: Richtig angefangen habe ich mit dem Bloggen Mitte 2007. Jeden Tag schreibe ich seit etwa Mai 2008. Erste Vorläufer gab es schon vor vier, fünf Jahren auf meiner Website. Blogs machen es sehr leicht, das Geschriebene mit anderen zu teilen und sich auszutauschen. Schreiben ist für mich so eine Art Lebensausdruck, das kommt fast direkt nach dem Atmen; wahrscheinlich noch vor dem Essen und Schlafen. Es macht einen großen Teil meiner Arbeit aus, aber ich schreibe auch ständig irgendwelche Geschichten und Erlebnisse auf; maile mit Leuten hin und her; bin in einem Forum unterwegs. Natürlich ist das Blog für mich aber auch eine Möglichkeit, ein Image aufzubauen. Mich bekannter zu machen. Öffentlich zu zeigen, was ich kann. Mit vielen Menschen in Kontakt zu treten. Außerdem glaube ich an das Prinzip des geteilten Wissens. Daher schreibe ich zum Beispiel den Blog-Workshop PR, der sehr hochwertige Inhalte kostenlos weitergibt. Umgekehrt bekomme ich aus Blogs auch viele Anregungen und wertvolle Informationen für meine Arbeit.

SA: Hat dein Blog dein (Berufs-)Leben verändert - oder zumindest beeinflusst?

KH: Absolut. Ich habe Menschen kennengelernt, denen ich sonst nie begegnet wäre und bin mit ihnen in intensivem Austausch. Ich bekomme aufgrund des Blogs Anfragen, Feedback und Aufträge. Wahrscheinlich würde ich mich aber endlich mal wieder intensiver um meine ‚normale’ Website kümmern, wenn nicht das Blog wäre. So hat es absoluten Vorrang. Jeden (Werk-) Tag ein Beitrag, das ist schon allein zeitlich und organisatorisch anspruchsvoll, im Moment besonders wegen der aufwändigen Workshop-Lektionen. Das Blog ist ein wichtiger Teil meines Online-Reputation-Managements, und ich überlege mir genau, was ich wie schreibe – das gilt aber auch für andere Profile und Beiträge im Internet. Ich habe dazu mal einen Beitrag geschrieben: http://taeglichfrisch.wordpress.com/2008/06/02/das-web-vergisst-nichts/


SA: Was bedeutet das Internet für dich?

KH: Internet? Wieso ‚bedeuten’? Gibt es noch eine andere Welt?


SA: Wenn jemand das Internet plötzlich ausschalten würde - welche Website würdest du am meisten vermissen?

KH: Das private Blog meiner Tochter, die ein Schuljahr im Ausland verbringt und für Familie und Freunde regelmäßig über ihre Erlebnisse dort bloggt.


SA: Wie könnte das Web 3.0 aussehen?

KH: Dazu vorab: Im Moment gibt es aus meiner Sicht etwa vier Kategorien von Usern:
1. diejenigen, die sich vorsichtig an das Internet heranwagen, dort gelegentlich mal etwas bestellen und ihren Freunden 18 Megabyte große Dateien mit in Word kopierten Fotos zumailen.
2. diejenigen, die mit Web 1.0 gut klarkommen, eine eigene Website haben und sich für Blogs und dergleichen moderat interessieren, aber dort nicht oder nur sehr gelegentlich selbst aktiv sind.
3. diejenigen, die das Web 2.0 als Werkzeug sehen und gezielt bloggen, dazu Netzwerke wie XING oder Facebook nutzen, gelegentlich twittern und sich insgesamt ganz gut auskennen (dazu zähle ich mich).
4. die absoluten 2.0-Experten, die jede neue Plattform und jedes neue Tool sofort ausprobieren, immer auf dem neuesten Stand sind und den totalen Überblick haben (so wäre ich gerne).
Ich denke, im nächsten Schritt wird sich das mehr angleichen. Interaktivität wird sich verstärken. Die Tools werden einfacher und für alle zugänglich. Zugriff auf das Netz von überall wird selbstverständlich sind. Trotzdem wird es immer ein paar Techies geben, die allen anderen voraus sind.


SA: Zum Schluss noch ein Satz zum Beenden:
Ohne das WWW wäre ich heute…

KH: … eine Stunde eher aufgestanden, weil ich gestern nicht bis spät abends an meinem heutigen Blog-Beitrag geschrieben hätte. Außerdem würde ich jetzt durch den Wald laufen, statt diese Fragen hier zu beantworten. ☺

Wer mehr aus dieser - zugebenermaßen noch recht kurzen - Interview-Reihe lesen will, der klickt einfach hier. :-)

 

Susanne Ackstaller am Montag, 06. Oktober 2008 um 07:48 Uhr

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