Abgestürzt?

Ja, ich geb’s zu: Anfänglich hatte ich ein paar ... Ressentiments. Die roten Lederhandschuhe, die die Kabinencrew trägt, fand ich schon ziemlich schräg. Und so manches Flugzeug wirkt ja, als ob man es erst kürzlich von den Kubanern abgekauft hätte. Aber mittlerweile habe ich sie doch ein wenig ins Herz geschlossen, die Air Berlin. Ohne lauwarme Laugenstange geht ja schon gar nichts, auf keinen Fall ein Flug ins innerdeutsche Ausland. Mit roten Schokoherzen habe ich mir über so manchen Blutzuckereinbruch hinweggeholfen. Der Shabby Look hat auf den zweiten Blick durchaus auch seinen Charme, ebenso wie das Wellblechterminal der Air Berlin in Berlin Tegel. Und die respektlosen, neoliberalen Ansichten von CEO Joachim Hunold, von denen ich an Bord im Vorwort des Kundenmagazins lesen durfte - die waren so grandios politisch unkorrekt und undiplomatisch, dass es eine wahre Freude war.

 

Aber was lese ich heute im Wirtschaftsteil meiner Tageszeitung: Ein Analyst hat das Kursziel für die Air-Berlin-Aktie auf 0 herabgestuft. Das heißt: Zumindest dieser Analyst hält die Aktie für wertlos. Hm. Dies war in der jüngeren Börsengeschichte bislang erst einmal passiert und zwar bei “Brokat”, als dieses Unternehmen kurz vor der Pleite stand. Und auch sonst steht die Aktie bei vielen Analysten eher auf “verkaufen” als auf “kaufen”. Kein gutes Zeichen - wenn auch möglicherweise eine nicht ganz feine Analystenstrategie.

Schade fände ich auf jeden Fall, Air Berlin scheitern zu sehen(, wenn denn). Denn irgendwie hat Air Berlin so was ... unangepasstes, ein paar Eckchen und Käntchen. Finde ich zumindest. Und das mag ich.

Stromlinienformen gibt schließlich schon mehr als genug.

Susanne Ackstaller am Freitag, 18. Juli 2008 um 16:04 Uhr

Leben | Permalink | Druckversion | 1337 Aufrufe

Nächster Eintrag: Internetallerlei und -besonderes.

Vorheriger Eintrag: 24 h Berlin.