Reiserückblick: Vom On- und Off-Leben.

Mit 21 bin ich mit Freunden durch die Türkei gereist, fünf Wochen lang. Bis zum Ararat sind wir gekommen und ins wilde Kurdistan. Fünf Wochen, in denen meine Familie nur selten von mir hörte: Handy gab es noch nicht, Internet schon gar nicht und selbst die funktionierenden öffentlichen Telefonzellen waren im Osten der Türkei eher rar.

Manchmal frage ich mich, wie wir dieses Kommunikationsloch damals überlebt haben. ;-)

Heute sind wir permanent ver-wlan-t und online oder checken zumindest via iPhone Mails. Ja, manchmal könnte man sich die Frage stellen, wie viel Virtualität das Leben eigentlich verträgt: Sind wir alle Soziopathen, weil uns im Urlaub das Internet ziemlich fehlt? Ist es unnormal, sich morgens auf die ersten Mails zu freuen - oder sollte ich lieber mit anderen Müttern vor dem Kindergarten tratschen wollen? Ist es bedenklich, dass ich einen nicht unwesentlichen Teil meiner Freunde im und über das WWW kennengelernt habe? Wäre es irgendwie „gesünder” abends fernzusehen als mich in Onlineforen zu unterhalten?

Hm.

Ich weiß nicht, was richtig ist und vielleicht vereinsamen wir Onliner ja tatsächlich alle langsam aber sicher, wenn wir uns, nebeneinander in Berliner Cafés sitzend, in dieselben WLAN-Netze einklinken, die iTunes-Liste des Tischnachbarn betrachten und twittern statt uns „ganz normal” zu unterhalten. Ja, manchmal finde auch ich diese Vision einer zunehmend virtuelleren Welt ein wenig ... beängstigend.

Aber wieso eigentlich?

Fakt ist: Ich picke mir das besten aus „beiden Welten” heraus. Ich will ja gar nicht mit Kindergartenmüttern über die letzten Dorfeklats sprechen - wenn auf der anderen Seite spannendere eMails warten. Ich will ja gar nicht fernsehen - was auch, wenn ich mir das Fernsehprogramm mal suchend angucke. Und Freunde kann man ja grundsätzlich nie genug haben, oder? Und vor allem könnte ich heute gar nicht so arbeiten, wie ich lebe (um hier Wir nennen es Arbeit. zu zitieren), und das wäre tatsächlich ein ziemlicher Verlust.

Nein, das Internet und seine digitalen Möglichkeiten machen das Leben offen und weit - viel weiter als das Auge reicht. Alles scheint möglich, vieles ist es tatsächlich. Und ich finde das gut so.

Susanne Ackstaller am Freitag, 15. August 2008 um 21:27 Uhr

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Kommentare

  1. Ich auch.

    Biggi am Freitag, 15. August 2008 um 23:37 Uhr
  2. Du hast es ja jetzt sowieso toll mit der Kommunikation nach Argentinien ... :-)  Meine armen Eltern mussten damals auf die raren Briefe warten, Telefonieren kostete ja ein Vermögen. ;-)

    Susanne Ackstaller am Freitag, 15. August 2008 um 23:51 Uhr
  3. Ja. Das denke ich mir in diesen Tagen auch. Das wird nicht leicht gewesen sein für deine Eltern. Ich glaub, ich kann das jetzt beurteilen.

    Aber - für die Austauschschüler, die weg gehen, ist das mit dem Internet nicht so leicht. Unsere Tochter schrieb uns, sie will jetzt versuchen, bisschen weniger ins Internet zu gehen. Im Internet würde sie immer so traurig, obwohl sie eigentlich glücklich sei. Klar - in ihrem Fall ist „Internet” das, was sie zurück gelassen hat.

    ich bin sicher, man kann nur wirklich neue Erfahrungen machen, wenn man es schafft, für eine Weile auch wirklich loszulassen.

    Aber das ist ein ganz anderes Thema als das, worüber du gebloggt hast. Bei deinem Posting unterschreibe ich jedes Wort. Von den Zweifeln bis zu den Erkenntnissen sehe ich es wie du.

    Biggi am Freitag, 15. August 2008 um 23:56 Uhr
  4. Waaas? Du ziehst das Internetgerede dem Kindergartentratsch vor? Das überrascht.:-))

    Und ich brauche meine Sportschau. So.

    Ich, im übrigen restlicherweise zustimmend.

    Michi am Samstag, 16. August 2008 um 14:45 Uhr
  5. Echt - du guckst Sportschau. Ui. Das überrascht. :-)

    Susanne Ackstaller am Samstag, 16. August 2008 um 18:13 Uhr
  6. Ist ja auch die letzte Saison. Nächste Saison gibt es dann nix mehr. PayTV will ich nicht. Pah. (Allerdings fürchte ich, dass k2 sich durchsetzen wird. Seufz.)

    Michi am Samstag, 16. August 2008 um 22:45 Uhr
  7. Für uns stellt sich diese Frage gar nicht. Bei uns gibt es ja kein Kabel. :-)

    Susanne Ackstaller am Sonntag, 17. August 2008 um 01:07 Uhr

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