Robina Hood der Texter. Oder: Im Zeichen der kleinen Münze.

Bei Biggi fand ich diesen Artikel zum Textklau bei Rechtzweinull. Spannend, wenn auch wieder grässlich desillusionierend. Ich verstehe es einfach nicht: Warum ist ein geklauter Text im „Worst Case” weniger wert als ein geklauter Kaugummi? Oder, um im Urheberrecht zu bleiben: weniger als eine fotografierte Zwiebel, Tomate, Erdbeere ...?! Wie kann es jemals richtig und recht sein, Text zu klauen - und straffrei, sprich schadensersatzfrei auszugehen?!

 

Am Freitag treffe ich meine ersten Textklauer vor Gericht. Dann wird man sehen, wie gerecht das deutsche Recht ist. Denn natürlich argumentieren die Gegenseite, ja selbst der Richter in seinem Vergleichsvorschlag mit der „kleinen Münze”. Dass die Beklagten ihre Schuld in der Unterlassungserklärung anerkannt haben, fällt offensichtlich niemanden auf ... noch nicht mal dem Richter. Dass es sich dabei nicht um ein paar wenige Worte oder Sätze, sondern um um eine ganze Bildschirmseite handelt, ist auch egal. Ist ja nur Text, das kann „jeder durchschnittliche Realschüler”. Komisch, dass meine Texte von großen, renommierten Unternehmen für nicht wenig Geld gekauft werden - wo ich doch so banal schreibe, dass jeder das könnte.

Ich bin gespannt. Wenn auch nicht sonderlich optimistisch. Aber ich bleib dran, das ist sicher. So schnell lass ich mir mein Urheberrecht nicht abtexten.

 

Susanne Ackstaller am Mittwoch, 09. Juli 2008 um 15:20 Uhr

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Kommentare

  1. Hallo,

    auch hier erst einmal vielen Dank für den netten Hinweis auf meinen Beitrag.

    Wie ich ja auch schon bei mehralstext kommentiert hatte, ist regelmässig entscheidend ob der Text schutzwürdig ist.

    Wenn es - wie gesagt - nicht über die „kleine Münze” im Zusammenhang mit der Schöpfungshöhe geht, immer auch die Argumentation über das Argument, dass das Blog eine Datenbank ist, versuchen.

    So etwas muss dem Gericht, dass manchmal nicht so internetversiert ist, aber vom Anwalt gut erläutert werden. Ich habe im urheberrechtlichen Bereich gar keine so schlechten Erfahrungen mit Richtern gemacht.

    Insofern viel Erfolgt…

    Mit besten Grüssen

    CU

    Carsten Ulbricht am Mittwoch, 09. Juli 2008 um 15:42 Uhr
  2. Danke für den Hinweis mit der Datenbank.

    Im vorliegenden Fall geht es allerdings nicht um Blogtexte, sondern um meine Unternehmenspräsenz bzw. Texte daraus, die sich zwei Hamburger PR-Damen zu eigen gemacht haben ...

    Mal gucken. ;-)

    Susanne Ackstaller am Mittwoch, 09. Juli 2008 um 15:46 Uhr
  3. Robina, frisch voran!
    Wenn das mit der Datenbank hier auch nicht greift, der Wettbewerbsaspekt dürfte doch anwendbar sein?

    Ich bin auch fassungslos - die Ungerechtigkeit machen Kaugummi und Co. schon schaurig-schön klar - und ich möcht ergänzen: Wo ist denn der Unterschied zum Foto?

    Und: Wenn wir das Geld nicht fürs Nutzungsrecht bekommen, wofür dann? Wenn das Urheberrecht nicht greift, ist man dann auch am Ende gar nicht der Urheber von Sachen unterhalb der kleinen Münze?

    Wenn ich mir so anschaue, welche Ãœberlegungen, Stilmittel, Zeit und Erfahrungen da so einfließen in ein Werk, ist mir das unbegreiflich. Vor allem, wenn man als Texter das Ziel hat, durch reifliches Ãœberlegen durch besonders schlichte, aber prägnante Texte zu punkten - dann ist das wohl gleich ganz falsch, zumindest „rechtlich” gesehen.

    Ich schlage ein Zwangspraktikum für Richter in Texterbüros vor.

    Tina am Mittwoch, 09. Juli 2008 um 16:23 Uhr
  4. Tina, das mit der Lizenzanalogie klappt beim Schadensersatzanspruch im Wettbewerbsrecht nicht so wirklich…

    Und, ohne gegen gewisse Verschwiegenheitspflichten verstoßen zu wollen… das kaum Nachvollziehbare ist, dass das Gericht sich mit der kleinen Münze auseinandersetzt, obwohl es eine Schuldanerkenntis gibt. Seufz. Richter.

    Michi am Mittwoch, 09. Juli 2008 um 22:33 Uhr
  5. ja, hab ich das nicht geschrieben? Das mit dem Schuldanerkenntnis?

    Susanne Ackstaller am Mittwoch, 09. Juli 2008 um 22:36 Uhr
  6. Oben. Warum?

    Michi am Mittwoch, 09. Juli 2008 um 22:54 Uhr
  7. naja, weil du es jetzt auch noch mal geschrieben hast. ;-)))))))

    Susanne Ackstaller am Mittwoch, 09. Juli 2008 um 22:56 Uhr
  8. Hmpf. Wollte deutlich machen, dass das die Krönung ist…

    Michi am Donnerstag, 10. Juli 2008 um 00:39 Uhr
  9. Es kann ja auch mal gleich mehrere Krönungen geben, oder? Ich finde hier zahlreiche ... :-(

    Sieht ein bisschen so aus, als wolle hier ein Richter aufräumen und dafür sorgen, dass die superreichen Nichtskönnertexter jetzt nicht auch noch Schadenersatz bekommen. Wo kämen wir denn da hin?

    Tina am Donnerstag, 10. Juli 2008 um 01:24 Uhr

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