Tusch! Und zwar gleich doppelt.

Heute vor sechs Jahren ging es los mit der Bloggerei - und hat mich seitdem nicht mehr losgelassen. Tja, und zur Feier des Tages schenk ich dem Textblog eine Interviewserie. Nein, nicht die üblichen Frontfrauen und -männer des WWW, von denen man allenthalben liest, sondern eher die Net-Normalos wie du und ich, die auch viel spannendes über das Web-Leben zu sagen hätten - die aber nur nie jemand fragt. Oder zumindest seltener.
Bild im Blog
Wer anderes könne meine erste Interviewpartnerin sein als Carola Heine aka Melody? Sie hat “mein” Internet geprägt wie keine andere. Melody gehörte Ende der 90er zu meinen allerersten Web-Bekannten. Schon damals schrieb sie ihr Web-Diary auf www.moving-target.de (“Weblogs” kannte man damals noch nicht) - das hat mich unglaublich fasziniert und ich habe mich auf jeden neuen Eintrag gefreut. Sie war damals diejenige, die mich zum Bloggen animiert hat. Seitdem hat sie viele meiner Webseiten “gebaut” - more to come! ;-)

 

 

Ich habe ihr ein paar Fragen rund um ihr persönliches Internet gestellt - und sie hat geantwortet. Teilweise ganz anders als ich es erwartet hätte. Aber eigentlich war auch das zu erwarten gewesen. ;-)

SA: Liebe Melody, du bist ja schon sehr lange im Web - auch in den “frühen” Formen - unterwegs. Wenn du mal so zurückblickst: Gibt es ein Web-Ereignis, das herausragt - positiv oder negativ -, das du nie vergessen wirst?

CH: Eines, das unter allen anderen weit herausragt? Da könnte ich mich gar nicht entscheiden. Bisher hat jede Zeitspanne vom 9600-Baud-Modemzugang bis zum Highspeed-Internet im Flieger ihre Höhepunkte - und jede bringt auch ein paar wichtige Lektionen mit, an die ich mich sicher immer erinnern werde. Auf keine Erfahrung möchte ich verzichten.

Aber wenn ich mich unbedingt festlegen muss :-)

Langfristig hat sich die Erstellung einer eigenen Website als sehr einschneidend erwiesen: Da sich auf meine online gestellten Texte hin mehrere Verlage meldeten, die sich meine Mitarbeit als Autorin wünschten, verlagerte ich nach und nach einen Teil meiner beruflichen Tätigkeiten aufs Schreiben. Über meine wachsende Web-Landschaft wurden Kunden (und andere) herangespült, die ähnlichen technischen Bedarf hatten … und durch die privaten und ehrenamtlichen Projekte lernte ich nicht nur immer wieder sehr vieles, sondern traf später auch meinen Mann.
Man könnte also sagen: Die Entscheidung, für meinen in 1997 bei Econ erschienenen ersten kleinen Roman eine eigene Internetseite zu erstellen, ist das gesuchte einschneidende Ereignis.

SA: Was bedeutet das Internet für dich? Und was ist es nicht?

CH: Das Internet ist für mich Spaß, ein Stück Heimat, Vernetzung, Arbeitsplatz, Spielwiese und Fortbildungsumgebung und täglich die schnellste Möglichkeit, zu kommunizieren und sowohl an Waren als auch an Informationen zu kommen. Es ist aber kein Ersatz für Hautkontakt/Zärtlichkeit, Treffen mit Freunden, gutes Selbstwert- und Körpergefühl, Bewegung, Lebensqualität in den kleinen Dingen des Alltags und Sex.

SA: Wenn jemand das Internet plötzlich ausschalten würde - welche Webseiten würdest du am meisten vermissen?

CH: Ein dezentrales globales Netz ausschalten, und zwar so, dass es von keinem Land und keinem vernetzten Gerät der Welt mehr erreichbar wäre? Ich würde die Seiten am meisten vermissen, auf denen ich recherchieren könnte, wie man das technisch bewerkstelligt hat (und wer das war, damit ich ihm seinen Router um die Ohren hauen kann).

SA: Warum bloggst du?

CH: Es hat sich so ergeben. Schon bevor es Bloggen hieß.

SA: Wie könnte das Web 3.0 aussehen?

CH: Kommerziell und optimiert. Arbeitsabläufe werden über komplett über den Browser und seine Erweiterungen abgewickelt, so dass User 3.0 möglichst wenig denken und dazulernen muss. Programme und Anwendungen sind, sofern du das wünschst, nicht auf deinem Rechner, sondern werden über das Internet geladen, so dass du dich nicht selbst um Updates, Sicherheitsvorkehrungen und Backups kümmern musst – und man wird immer seltener erklären müssen, was man da online eigentlich alles so macht. Hoffe ich. Das würde eine Menge Zeit sparen.


SA: Zum Schluss noch ein Satz zum Fertigschreiben:

Ohne das WWW wäre ich heute ...

CH:… in einem anderen kreativen Beruf oder zweien parallel. Vielleicht wäre ich eine schreibende Innenarchitektin geworden oder in die Organisation von Großveranstaltungen eingestiegen.
Auf alle Fälle aber wäre ich um einen wichtigen Software-Entwickler, viele Erfahrungen und nette Menschen in meinem Leben ärmer. Und dann ein Leben ganz ohne Blogs … mal ehrlich, wie soll das gehen? Und warum?

Danke, liebe Melody, fürs Antworten und Zeitnehmen! :-)

Wer nun neugierig geworden ist: Mehr von Melody findet man auf www.carola-heine.de, www.moving-target.de, www.notizblog.de, www.kuechenzeilen.de und und und ...

Susanne Ackstaller am Montag, 15. September 2008 um 01:36 Uhr

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