Verliebt, verlobt, verheiratet ... Zwei Bücher rund ums Leben und Lieben. Und ums Heiraten.

Urlaubszeit ist bei mir immer auch Lesezeit. Da hole ich auf, was im ganzen restlichen Jahr an Lektüre zu kurz kommt. Schließlich gibt es nichts schöneres als im Strandkorb zu sitzen, mit den Zehen im Sand zu graben, Wellen und Wind rauschen zu hören, sich aus der Thermoskanne Tee nachzuschenken – und einfach mal ein Buch (oder am besten gleich mehrere) in einem Rutsch durchzulesen.

Dieses Jahr hatte ich – unter anderem – zweimal Frauenliteratur im Gepäck:Rona Jaffes neu aufgelegter 50er-Jahre-Klassiker „Das Beste von allem” und „Mädchen in Weiß” von Jennifer Close. 

In beiden Büchern geht es um eine Handvoll junge Frauen, die es nach dem High-School-Abschluss nach New York City zieht. Dort leben, lieben und arbeiten sie – in „Das Beste von allem“ vor dem Hintergrund der 50er-Jahre des letzten Jahrhunderts, in „Mädchen in Weiß“ ganz aktuell und sogar mit politischem Bezug in der ersten Dekade des 3. Jahrtausends. Ein bisschen erinnern beide Romane an „Sex and the City”, aber als ihre bodenständigere, geerdete, leicht desillusionierte Version: weniger Manolos und Cosmopolitans, dafür mehr Mülltüten und Brotjobs, weniger Träume, mehr Enttäuschung - aber dabei insgesamt nicht minder unterhaltsam als die berühmte TV-Variante.

Leben, lieben, arbeiten, daten. Und heiraten. Das ist die Welt dieser jungen Frauen. Erstaunlich wie sich die Leben der Protagonistinnen in beiden Romanen gleichen ... Wenn man beide Bücher hintereinander weg liest, hat man das Gefühl, es hat sich in fast sechs Jahrzehnten nicht sehr viel verändert. Ob moderne Frauen ihre Verlobungsringe online bestellen oder ganz traditionell in New York bei Tiffanys sich kaufen lassen - das Ziel ist damals wie heute dasselbe: den richtigen Mann finden, sich verloben, in Weiß heiraten und Kinder kriegen. Davor liegen Irrungen und Wirrungen, Enttäuschungen und Frustrationen, falsche Prinzen, neue Jobs, steile Karriere, tiefe Depression und der Tod. Plus einige Junggesellen-Abschiede, die Hochzeiten alter Freundinnen und diverse Baby-Showers. Das volle Leben halt.

Rona Jaffe und Jennifer Close erzählen in durchaus kritischer Distanz von Amerikas Frauenwelt, die in vieler Hinsicht immer noch weit konservativer und traditioneller tickt als in Europa. Das ist einerseits erstaunlich, würde man doch zumindest für eine Metropole wie New York City etwas anderes vermuten – aber andererseits auch wieder erwartbar und folgerichtig, bedenkt man, dass Ratgeber wie „The Rules“ modernen Amerikanerinnen eine genaue Anleitung an die Hand geben, wie frau sich auf der Suche nach dem Mann fürs Leben und damit auf dem Weg zum Traualtar am geschicktesten verhält - und mit diesen Handlungsanweisungen zum Million-Seller werden.

Ich fand beide Bücher spannend und unterhaltsam, wenn auch gleichzeitig ein wenig irritierend, ob des konservativen, wenig emanzipierten Frauenbildes. Wer „Sex and the City“ mochte, wird auch diese beiden Bücher gerne lesen.

Susanne Ackstaller am Sonntag, 23. September 2012 um 17:38 Uhr

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Tags: rona jaffenew yorkjunge frauenfrauenliteratur

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