Suna. Ein Roman von Pia Ziefle.

Es war der 19. Februar 2010, als mir Pia schrieb. Ich hatte ihr die ersten drei Kapitel meines (nie vollendeten) Erstlingswerks geschickt – sie fragte mich im Gegenzug, ob ich Lust und Zeit hätte, das Exposé zu ihrem Roman zu lesen. Natürlich!, antwortete ich.

21 Seiten war es lang. Und es fesselte mich von der ersten Zeile. „Pia, das liest sich ganz wunderbar! Wirklich. Sehr anrührend, sehr echt, sehr lebendig.” schrieb ich ihr zurück. Und sie antwortete: „Lieben lieben Dank. Du bist die allererste Leserin überhaupt.” Puh, was für eine Ehre ...

Ziemlich genau zwei Jahre danach hielt ich das gedruckte Werk in den Händen: „Suna”.

Die ersten Tage lag es auf meinem Schreibtisch und flößte mir Respekt ein. Denn vor mir lag ein Buch über ein Stück deutsche und europäische Geschichte, verpackt in einer deutsch-europäischen Liebes- und Lebensgeschichte. Ein Roman über Wurzeln, über Herkunft, über Familie, über Migration. Über Mut und Angst und Verzweiflung und Schicksal. Kein Buch, wie ich es sonst im Bett oder am Strand las, so viel war klar. Würde ich es mögen, dieses Buch? Oder womöglich – und davor hatte ich Angst – nach wenigen Seiten zur Seite legen?

Ich wagte es und schlug es auf. Und war – wie zwei Jahre zuvor – sofort gefesselt.

Pia Ziefle erzählt die Geschichte von Luisa, deren zweites Kind nicht schlafen kann. Nicht schlafen will – weil es seine Wurzeln nicht kennt, wie der Dorfarzt (zurecht) vermutet. Auch Luisa selbst weiß über ihre Herkunft wenig: Erst als Schulkind erfährt sie, dass sie adoptiert wurde. Noch viel viel später erst begegnet sie ihrer leiblichen Mutter Julka, die seit Jahrzehnten auf den Anruf ihrer Tochter wartet, und ihrem Vater Kamil, der Luisa sogar tot glaubte. Für ihn ist sie „Suna”. An den Vorabenden zur Abreise in die Türkei, bei der sich die ganze Großfamilie zum allerersten Mal überhaupt treffen will, erzählt Luisa ihrer kleinen Tochter ihre verschlungene Lebensgeschichte und macht damit gleichzeitig auch deutsche und europäische Geschichte lebendig. 

Ja, Pia ist ein großer Roman gelungen. Und ein wichtiges Buch für alle, die – wie ich – viel zu wenig wissen, über die Migrationsströme der Fünfziger und Sechziger Jahre. Es ist ein Buch, das auf 304 Seiten anrührt und bewegt. Es ist keine leichte Kost, aber so fesselnd geschrieben, dass man es nicht mehr weg legen mag. Und es ist ein Buch, das zuversichtlich stimmt und Mut macht, weil sich trotz aller Irrwege am Ende alles (oder zumindest vieles) findet.

Danke für dieses wunderbare Buch, liebe Pia. Und danke, dass ich bei seiner Geburtsstunde dabei sein durfte.


Pia Ziefles Roman „Suna” ist 2012 im Ullstein-Verlag erschienen. Das Buch kostet 18 Euro als Hardcover und 14,99 Euro als eBook für den Kindle.

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Susanne Ackstaller am Dienstag, 03. April 2012 um 17:09 Uhr

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